Nabelschnurblut (NSB) enthält besonders viele hämatopoetische Stammzellen (HSC). Diese sind der Ursprung aller Blutzellen (vgl. Abb. 1), die im menschlichen Körper lebenslang neu gebildet werden müssen. HSC sind daher lebenswichtig für die Aufrechterhaltung der Funktion des Blutes, insbesondere für den Sauerstofftransport und die Immunabwehr. Darüber hinaus sind im NSB auch mesenchymale Stammzellen und endotheliale Stammzellen sowie Zellen des angeborenen und erworbenen Immunsystems enthalten. [1]

Eine Besonderheit aller Zellen im NSBist, dass sie besonders jung und teilungsfähig sind und darüber hinaus nicht belastet oder beschädigt durch Infektionen, Krankheiten oder Mutationen sind. [2]

Im Knochenmark des Menschen werden lebenslang neue Blutzellen gebildet. [3,4] Beim Fötus dagegen erfolgt die Blutbildung in Leber und Milz. Im NSB befinden sich besonders viele HSC, weil diese im letzten Schwangerschaftsdrittel über den Blutkreislauf ins Knochenmark „umziehen“ müssen. [5] Der Gehalt an HSC im NSB ist ca. 3-mal höher als im Knochenmark von erwachsenen Menschen. [4]

Der besondere Wert von Nabelschnurblut ist bereits seit Ende der 1980er-Jahre bekannt, 1989 wurde erstmals ein Kind mit Fanconi-Anämie damit behandelt. [6] Seitdem kam Nabelschnurblut über 60.000 Mal bei ca. 80 Indikationen zum Einsatz. [7,8]

Nabelschnurblut, mit den darin enthaltenen Stammzellen, kann sowohl allogen (= fremd, von anderen Personen) als auch autolog (= eigen) transplantiert werden, z. B. bei Krebserkrankungen, Blutbildungsstörungen und Immundefekten. [2,8] 

Für die eigene Verwendung gewonnenes und gelagertes NSB ist schnell verfügbar und besonders verträglich. [7] Fast 1 Mio. NSB-Eigenspenden wurden in 24 europäischen Stammzellbanken privat eingelagert – bis Januar 2025 wurden davon 239 medizinisch genutzt: zur Regeneration von geschädigtem Gewebe oder um die Bildung von Blutzellen, z. B. nach einer Chemotherapie oder Bestrahlung, wiederherzustellen* (vgl. Abb. 2). [9]

NSB ist Gegenstand der medizinischen Forschung. Die Datenlage verbessert sich dabei stetig. Aktuelle Untersuchungen beschäftigen sich mit der Anwendung von NSB bei der Behandlung von:

  • Erkrankungen des Blutes und des Knochenmarks [10-57]
  • Solide Tumore [58-65]
  • Autoimmunerkrankungen [66-69]
  • Frühgeburtserkrankungen [70,71]
  • Pädiatrische Krebserkrankungen [72,73]
  • Seltene genetische Erkrankungen [74,75]

Damit das NSB mit den enthaltenen Stammzellen im Bedarfsfall als Therapeutikum geeignet ist, muss eine ausreichende Menge an Zellmaterial gewonnen und eingelagert werden können. [3] Zentrale Herausforderungen sind dabei die begrenzte Menge des NSB, das bei der Geburt entnommen werden kann, sowie der Zeitpunkt des Abnabelns des Neugeborenen. [76,77] Außerdem sind entsprechende hochentwickelte Technologien zur Konservierung und Lagerung von NSB notwendig, um die Zellviabilität über Jahre und Jahrzehnte hinweg zu sichern. [78]

-> Lesen Sie mehr zum Thema Entnahme und Einlagerung von NSB

* Anwendungen im Rahmen der Zulassung/Genehmigung zur hämatologischen Rekonstitution und Immunrekonstitution nach Hochdosischemotherapie oder Bestrahlungstherapie oder im Rahmen von Heilversuchen oder klinischen Studien

  1. Malhotra A et al. Pediatric Res. 2023;94:1631-1638

  2. Galieva LR et al. Front Pharmacol. 2017;8:628

  3. Smith BR. Yale J Biol Med. 1990;63(5):371-380

  4. Bönig H et al. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2011;54(7):791-796

  5. Gao X et al. Development. 2018;145(2):dev139691

  6. Gluckman E et al. N Engl J Med. 1989;321(17):1174-1178

  7. Mayani H et al. Bone Marrow Transplant. 2020;55(1):48-61

  8. Dessels C et al. Stem Cells Transl Med. 2018;7(9):643-650

  9. Interne Daten der FamiCord AG. Januar 2025.

  10. ClinicalTrials.gov. NCT01351545

  11. ClinicalTrials.gov. NCT01451502

  12. ClinicalTrials.gov. NCT04707300

  13. ClinicalTrials.gov. NCT05110742

  14. ClinicalTrials.gov. NCT05667155

  15. ClinicalTrials.gov. NCT05669079

  16. ClinicalTrials.gov. NCT06707259

  17. ClinicalTrials.gov. NCT06712108

  18. ClinicalTrials.gov. NCT06729320

  19. ClinicalTrials.gov. NCT06792682

  20. ClinicalTrials.gov. NCT06807606

  21. ClinicalTrials.gov. NCT00012545

  22. ClinicalTrials.gov. NCT01728545

  23. ClinicalTrials.gov. NCT03016806

  24. ClinicalTrials.gov. NCT03173937

  25. ClinicalTrials.gov. NCT04628026

  26. ClinicalTrials.gov. NCT05092451

  27. ClinicalTrials.gov. NCT05584761

  28. ClinicalTrials.gov. NCT05884333

  29. ClinicalTrials.gov. NCT05929092

  30. ClinicalTrials.gov. NCT06039436

  31. ClinicalTrials.gov. NCT06109064

  32. ClinicalTrials.gov. NCT06125483

  33. ClinicalTrials.gov. NCT06351462

  34. ClinicalTrials.gov. NCT06381817

  35. ClinicalTrials.gov. NCT06534255

  36. ClinicalTrials.gov. NCT06650553

  37. ClinicalTrials.gov. NCT06680661

  38. ClinicalTrials.gov. NCT01949129

  39. ClinicalTrials.gov. NCT04347616

  40. ClinicalTrials.gov. NCT04644016

  41. ClinicalTrials.gov. NCT05014165

  42. ClinicalTrials.gov. NCT05290662

  43. ClinicalTrials.gov. NCT05842707

  44. ClinicalTrials.gov. NCT06066359

  45. ClinicalTrials.gov. NCT06105658

  46. ClinicalTrials.gov. NCT06155188

  47. ClinicalTrials.gov. NCT06464861

  48. ClinicalTrials.gov. NCT06696846

  49. ClinicalTrials.gov. NCT01656603

  50. ClinicalTrials.gov. NCT03158896

  51. ClinicalTrials.gov. NCT04990323

  52. ClinicalTrials.gov. NCT05775718

  53.  ClinicalTrials.gov. NCT06480630

  54. ClinicalTrials.gov. NCT06693791

  55.  ClinicalTrials.gov. NCT01962636

  56. ClinicalTrials.gov. NCT06345495

  57. ClinicalTrials.gov. NCT01962636

  58. ClinicalTrials.gov. NCT03420963

  59. ClinicalTrials.gov. NCT05703854

  60. ClinicalTrials.gov. NCT06066424

  61. ClinicalTrials.gov. NCT06358430

  62. ClinicalTrials.gov. NCT04991870

  63. ClinicalTrials.gov. NCT05922930

  64. ClinicalTrials.gov. NCT06464965

  65. ClinicalTrials.gov. NCT06083883

  66. ClinicalTrials.gov. NCT06265220

  67. ClinicalTrials.gov. NCT02932826

  68. ClinicalTrials.gov. NCT03011021

  69. ClinicalTrials.gov. NCT03835312

  70. ClinicalTrials.gov. NCT05612919

  71. ClinicalTrials.gov. NCT06427642

  72. ClinicalTrials.gov. NCT05425043

  73. ClinicalTrials.gov. NCT06631391

  74. ClinicalTrials.gov. NCT02254863

  75. ClinicalTrials.gov. NCT01861106

  76. Frändberg S, et al. Cell Tissue Bank. 2016;17(3):439-448

  77. Ciubotariu R, et al. Transfusion. 2018;58(6):1427-1433

  78. Liedke S. et al. Stem Cells Tranlat. Med. 2024;13:30-42

Nabelschnurgewebe enthält besonders viele mesenchymale Stammzellen. Diese Vorläuferzellen können sich in spezialisierte Körperzellen, wie Knochen- oder Knorpelzellen, weiterentwickeln und deshalb für regenerative Therapien interessant sein. Ihr Potenzial kann durch eine vorsorgliche Einlagerung erhalten werden.

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Nach einer Geburt ist die Versorgung des Neugeborenen und seiner Mutter das Wichtigste. Deshalb muss die Entnahme von Nabelschnurblut und -gewebe genau geplant sein und darf nur durch geschultes Kreißsaalpersonal in einer zertifizierten Geburtsklinik durchgeführt werden.

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