Für die Therapielandschaft des metastasierten Mammakarzinoms (mBC) deuten Real-World-Daten darauf hin, dass insbesondere in vorderen Linien noch zu häufig klassische Chemotherapien (CTx) angewendet werden.[1, 2] Leitlinien empfehlen und Zulassungen moderner Antibody-Drug-Conjugates (ADC) ermöglichen stattdessen den frühzeitigen Einsatz dieser innovativen Behandlungsoptionen.[3] Das kann bedeutend vor dem Hintergrund einer optimalen Therapiefolge sein, denn aktuelle Daten zeigen, dass immer mehr Patient*innen die 4. Linie erreichen.[4] ADC zeigen in Abhängigkeit des eingesetzten Wirkstoffs differierende Nebenwirkungsprofile, sodass es falsch wäre, Klasseneffekte anzunehmen. Somit ermöglicht deren Einsatz eine individuelle Therapie.[5]

Real-World-Daten des PRAEGNANT-Registers zeigen, dass in Deutschland sowohl beim triple-negativen (mTNBC) als auch beim HR+/HER2-* mBC klassische CTx weiterhin eine führende Rolle spielen.[1, 2] Fachgesellschaften wie die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO), Kommission Mamma, betonen daher die Bedeutung eines frühzeitigen Einsatzes von innovativen Therapieoptionen wie ADC, um eine bestmögliche Versorgung für Patient*innen sicherzustellen.[3]

Mehr Patient*innen erreichen 4. Therapielinie

Darüber hinaus wird auch eine Gesamtstrategie für die sequenzielle Therapieabfolge immer relevanter. Für deren Etablierung ist es auch wichtig zu wissen, unter welchen Voraussetzungen Patient*innen weitere Therapielinien erreichen bzw. welche Patient*innen eine Behandlung abbrechen. Eine weitere jüngst publizierte Auswertung des PRAEGNANT-Registers zeigt u. a., dass der mBC-Subtyp eine Rolle zu spielen scheint und dass immer mehr Patient*innen mittlerweile die 4. Linie erreichen.[4] Die Daten von Hartkopf et al. wurden auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) 2024 vorgestellt.

Sg gegenüber klassischen CTx signifikant überlegen

In den vergangenen Jahren konnte in einer Reihe von Studien eine Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) durch den Einsatz innovativer Therapien erreicht werden.[3] In der ASCENT-Studie beim mTNBC und in der TROPiCS-02-Studie beim HR+/HER2- mBC beispielsweise war das ADC Sacituzumab govitecan (Sg)# einer Mono-CTx signifikant überlegen (medianes OS: 11,8 vs. 6,9 Monate, p < 0,0001 bzw. 14,4 vs. 11,2 Monate, p = 0,02)§.[6–8] Die AGO, Kommission Mamma, empfiehlt daher den zulassungskonform# frühzeitigen Einsatz von Sg beim mTNBC ab der 2. Linie und bei HR+/HER2- mBC bei endokriner Resistenz ab der 3. Linie mit ihrem höchsten Empfehlungsgrad „++“.[3]

Die häufigsten Nebenwirkungen unter Sg in Studien waren u. a. Neutropenie (67,6 %), Übelkeit (62,6 %), Diarrhoe (62,5 %), Fatigue (61,5 %) und Alopezie (45,6 %). Diese lassen sich durch ein adäquates Patient*innenmanagement gut handhaben.[8]

Zu den häufigsten höhergradigen Nebenwirkungen (≥ Grad 3) zählten Neutropenie (50,7 %), Leukopenie (10,5 %), Diarrhoe (10,3 %), Anämie (9,3 %), Fatigue (6,8 %), febrile Neutropenie (6,1 %), Hypophosphatämie (4,2 %), Dyspnoe (3,1 %), Lymphopenie (2,9 %), Abdominalschmerz (2,8 %), Übelkeit (2,8 %), Erbrechen (2,5 %), Hypokaliämie (2,5 %), Pneumonie (2,3 %) und erhöhte Aspartataminotransferase (2,2 %).[8]

Keine Klasseneffekte unter ADC

Dass es bei ADC hinsichtlich der Nebenwirkungsprofile keine Klasseneffekte gibt, unterstreichen aktuelle Real-World-Daten zur Verträglichkeit von Sg (n = 48) und Trastuzumab deruxtecan (T-DXd, n = 77): Unter Sg war im Real-World-Setting Neutropenie (33,3 % Grad ≥ 3) die für das Therapiemanagement relevanteste Nebenwirkung, wobei eine numerische Reduktion nach dem primär-prophylaktischen Einsatz von Granulozyten-Kolonie stimulierendem Faktor (G-CSF) beobachtet wurde. Unter T-DXd hingegen trat bei 10,4 % der Patient*innen eine T-DXd-induzierte interstitielle Lungenerkrankung (ILD; 2,6 % Grad 3) auf.[5] ADC weisen also individuelle Nebenwirkungsprofile auf, was eine sorgfältige Abwägung in der individuellen Anwendungssituation erfordert.[5]

* Hormonrezeptor-positiv/humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor-2-negativ

# Sg ist indiziert als Monotherapie für Erwachsene mit nicht resezierbarem oder metastasiertem TNBC, die zuvor ≥ 2 systemische Therapien erhalten haben, darunter ≥ 1 gegen die fortgeschrittene Erkrankung. Das ADC kann zudem als Monotherapie für Erwachsene mit nicht resezierbarem oder metastasiertem HR+/HER- BC, die eine Endokrin-basierte Therapie und ≥ 2 zusätzliche systemische Therapien bei fortgeschrittener Erkrankung erhalten haben, eingesetzt werden.[8]

§ ASCENT: Patient*innen mit inoperablem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem TNBC, die bereits ≥ 2 Standard-CTx erhalten hatten, darunter ein Taxan. TROPiCS-02: Patient*innen mit nicht resezierbarem oder metastasiertem HR+/HER2- BC, die bereits ≥ 2-4 Chemotherapieregime im fortgeschrittenen Stadium und ≥ 1 endokrine Vortherapie, ein Taxan und einen Cyclin-dependent Kinase CDK-4/6-Inhibitor unabhängig vom Setting.

  1. Braun et al. DKK 2022; Poster Abstract 306. Erhebung von 117 niedergelassenen Onko-/Gynäkolog*innen, um die Therapielandschaft bei HER2- mBC in Deutschland mit der Software „Oncotrace“ zu beschreiben (01/2014–06/2022: 8.432 Patient*innen)
  2. Hartkopf A. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS), Dresden, 07.06.2024; Wissenschaftliche Sitzung „10 Jahre PRAEGNANT“
  3. AGO e. V., Kommission Mamma, Guidelines Breast, Version 2024.1, 05.04.2024
  4. Hartkopf AD et al. Geburtshilfe Frauenheilkd 2024; 84(5): 459–69
  5. Schäffler H et al. Geburtshilfe Frauenheilkd 2024; 84(9): 855–65
  6. Bardia A et al. J Clin Oncol 2024; 42(15): 1738–44
  7. Rugo HS et al. Lancet 2023; 402(10411): 1423–33
  8. Fachinformation Trodelvy®, Stand: Juli 2023
  9. Fachinformation Enhertu®, Stand: Januar 2024

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