Antibody Drug Conjugates (ADC) wie Sacituzumab govitecan (Sg) sind in der Versorgung von Patient*innen mit metastasiertem Mammakarzinom (mBC) angekommen.[1] „ADC zählen hier zu den effektivsten Werkzeugen, die wir zur Verfügung haben“, sagte Prof. Dr. Andreas Schneeweiss, Heidelberg, beim DGS 2025#. Den zulassungskonformen* Einsatz von Sg empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO) gleich doppelt mit höchstem Empfehlungsgrad „++“: Sowohl bei mTNBC als auch bei HR+/HER2- mBC.[1,2] Wie das Therapiemanagement zum Behandlungserfolg beitragen kann, berichtete Prof. Dr. Maggie Banys-Paluchowski, Lübeck: Die PRIMED-Studie habe eine klinisch relevante Reduktion von Neutropenien unter Sg gezeigt.[3] Laut angepasster Fachinformation sollte bei erhöhtem Risiko für febrile Neutropenie bereits ab dem 1. Zyklus eine Primärprophylaxe mit Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor (G-CSF) erwogen werden.[2] Trotzdem ist zu ADC, so Banys-Paluchowski, noch längst nicht alles gesagt.

ADC sollten laut AGO bei mBC indikationsgemäß frühzeitig eingesetzt und der klassischen Chemotherapie (CTx) vorgezogen werden – wobei Real-World-Daten aus Deutschland darauf hinweisen, dass zumindest beim HR+/HER2- mBC noch oft auf CTx zurückgegriffen wird.[1,4] 

Die ADC der dritten Generation seien hoch effektiv und der Umgang mit den erwartbaren Nebenwirkungen immer besser möglich, erklärte Banys-Paluchowski. Die Nebenwirkungen unterschieden sich allerdings zwischen den einzelnen ADC, einen Klasseneffekt gebe es nicht. So käme bei einer Sg-Therapie interstitielle Lungenerkrankung (ILD) praktisch nicht vor. Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Sg zählen Neutropenie (67,6 %), Übelkeit (62,6 %), Diarrhoe (62,5 %), Fatigue (61,5 %) und Alopezie (45,6 %).[2]

Update zu Neutropenie und primärem G-CSF

Die multizentrische, einarmige Phase-II-Studie PRIMED untersuchte eine Primärprophylaxe mit G-CSF und Loperamid bei Patient*innen mit mTNBC oder HR+/HER2- mBC, die eine Sg-Therapie erhielten.[3] Während der ersten 2 Zyklen (an Tag 1 und 8 alle 21 Tage) erhielten diese kurzwirksames G-CSF (an Tag 3 und 4 bzw. 10 und 11) sowie Loperamid (an Tag 2, 3 und 4 bzw. 9, 10 und 11).[3] Dadurch wurden Inzidenz und Schwere sowohl von Neutropenien als auch Diarrhoen klinisch relevant reduziert.[3] „Man hat viel niedrigere Raten an Neutropenien und Diarrhoen gesehen als in den zulassungsrelevanten Studien von Sg“, so Banys-Paluchowski. Die Neutropenie-Rate (alle Grade) betrug in PRIMED 28 % vs. 71 % in TROPiCS-02 und 63 % in ASCENT.[3,5,6] Das habe im Vergleich auch zu weniger Dosisreduktionen und Therapieabbrüchen geführt.[3] Entsprechend wurde die Fachinformation von Sg aktualisiert: Bei Patient*innen mit erhöhtem Risiko einer febrilen Neutropenie sollte ab dem 1. Zyklus eine Primärprophylaxe mit G-CSF erwogen werden.[2] Grundsätzlich sei die Therapie mit Sg durch supportivmedizinische Begleitung – wie G-CSF, eine ausreichende antiemetische Prophylaxe oder Loperamid bei Bedarf – gut handhabbar, betonte Banys-Paluchowski.

Die Zukunft der Onkologie?

Wie andere ADC werde auch Sg derzeit in früheren Therapiesituationen – allein oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen – untersucht, erklärte Schneeweiss. Seine Erwartung ist, dass künstliche Intelligenz (KI) Behandelnde künftig bei ihrer Therapiewahl zunehmend werde unterstützen können. Aktuelle Fähigkeiten und Limitationen von KI demonstrierten Prof. Dr. Daniel Truhn, Aachen, und Schneeweiss anhand eines fiktiven Patientinnenfalls. ChatGPT sollte in der Rolle eines „erfahrenen Onkologen“ Therapieempfehlungen für eine TNBC-Patientin (Stadium pT2 pN1a, brusterhaltende Operation 2015) liefern. „Im Verlauf der Therapie und des Krankheitsprogresses berücksichtigte die KI die Literatur, den Zulassungsstatus zum jeweiligen Behandlungszeitpunkt sowie die Komorbiditäten korrekt“, erklärte Truhn. Allerdings ließe die KI noch Referenzen zur Begründung der Vorschläge vermissen. Grundsätzlich sei ChatGPT Schneeweiss zufolge als medizinischer Co-Chatbot aber schon sehr nahe an einem nützlichen Tool.

 

* Sg ist indiziert als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit nicht resezierbarem oder metastasiertem triple-negativem Mammakarzinom (mTNBC), die zuvor ≥ 2 systemische Therapien erhalten haben, darunter ≥ 1 gegen die fortgeschrittene Erkrankung, sowie als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit nicht resezierbarem oder metastasiertem Hormonrezeptor (HR)-positivem, humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 (HER2)-negativem Mammakarzinom, die eine Endokrin-basierte Therapie und ≥ 2 zusätzliche systemische Therapien bei fortgeschrittener Erkrankung erhalten haben.

# Symposium „ADC(hange): Entwicklungen in der Therapie und Zukunft in der Behandlung des Mammakarzinoms“ anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) 2025, 27. Juni 2025 in Stuttgart; Veranstalter Gilead Sciences GmbH.

  1. AGO, Kommission Mamma, Guidelines Breast, Version 2025.1D
  2. Fachinformation Trodelvy®; Stand: Juni 2025
  3. Pérez-García JM et al. J Clin Oncol 2024; 42 (Suppl. 16): 1101. Phase-II-Studie zur Prävention von Sg-bedingter Neutropenie und Diarrhoe bei Patient*innen mit mBC (02/2023–10/2023; n = 50)
  4. Campone M et al. ESMO 2024; Poster-Abstr. #374P. Real-World-Erhebung klinischer Daten aus Deutschland als Teil einer französisch-deutschen Kohortenstudie zu Behandlungsmustern bei Patient*innen mit HR+/HER2- mBC (02/2022 – 02/2023; n = 157)
  5. Bardia A et al. J Clin Oncol 2024; 42 (15): 1738–1744
  6. Rugo HS et al. Lancet 2023; 402 (10411): 1423–1433

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