Eine gegen CD19 gerichtete CAR-T-Zelltherapie wie Axicabtagen ciloleucel (Axi-Cel) gilt als Zweitlinienstandard beim früh-rezidivierten/primär refraktären diffus großzelligen B-Zell-Lymphom (r/r DLBCL). Die Onkopedia-Leitlinie legt darüber hinaus nahe, die Therapie für einen erweiterten Patient*innenkreis in Erwägung zu ziehen – darunter ältere Betroffene und jene, die für eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation (HD-ASZT) nicht infrage kommen.[1] Basis dieser Empfehlung sind u. a. die positiven Daten der ALYCANTE-Studie: Diese bestätigen die aus der Zulassungsstudie ZUMA-7 bekannte Wirksamkeit und Sicherheit von Axi-Cel als Zweitlinientherapie auch für ein vulnerables Patient*innenkollektiv.[1,2]

In der Phase-III-Studie ZUMA-7 hatte Axi-Cel als Zweitlinientherapie bei HD-ASZT-fähigen Hochrisiko-Patient*innen mit r/r LBCL eine überlegene Wirksamkeit gegenüber der damaligen Standardtherapie* gezeigt.[3,4] Axi-Cel ist damit die erste Therapieform seit fast 30 Jahren, die statistisch signifikante Gesamtüberlebensergebnisse (OS) zeigte. In der klinischen Praxis gilt etwa die Hälfte der Patient*innen mit r/r LBCL als ungeeignet für eine HD-ASZT.[2] Aus diesem Grund untersuchte die offene Phase-II-Studie ALYCANTE die Wirksamkeit und Sicherheit von Axi-Cel als Zweitlinientherapie bei 62 vulnerablen Patient*innen mit r/r LBCL.

ALYCANTE: Ansprechen unabhängig von HD-ASZT-Fähigkeit

Teilnehmende mussten nach ärztlicher Einschätzung für eine HD-ASZT ungeeignet sein und mindestens eines der folgenden Kriterien aufweisen: Alter ≥ 65 Jahre (88,7 %; n = 55 ≥ 65 Jahre; n = 33 ≥ 70 Jahre; n = 7 ≥ 75 Jahre), hoher hämatopoetischer Zelltransplantations-spezifischer Komorbiditätsindex (HCT-CI-)Score ≥ 3 (32,3 %) und/oder vorherige HD-ASZT (als Erstlinien-Konsolidierung; 3,2 %). Der primäre Endpunkt war das vollständige metabolische Ansprechen 3 Monate nach der Axi-Cel-Infusion, wichtige sekundäre Endpunkte das progressionsfreie Überleben (PFS), das Gesamtüberleben (OS) und die Sicherheit.[2]

Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt mit einem vollständigen metabolischen Ansprechen von 71,0 % (95 % Konfidenzintervall [KI] 58,1–81,8) nach 3 Monaten. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 12,0 Monaten (Spanne 2,1–17,9) betrug das mediane PFS 11,8 Monate (95 % KI 8,4–nicht erreicht) und das OS wurde nicht erreicht. Es trat keine unerwartete Toxizität auf, Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) und neurologische Ereignisse der Grade 3–4 wurden bei 8,1 % bzw. 14,5 % der Patient*innen berichtet. Diese Ergebnisse unterstützen den Einsatz von Axi-Cel als Zweitlinientherapie bei r/r LBCL-Patient*innen, die für eine HD-ASZT nicht in Frage kommen.[2]

Axi-Cel: Heilungsperspektive ab der 2. Linie

Axi-Cel ist indiziert zur Behandlung von Erwachsenen mit DLBCL und hochmalignem B-Zell-Lymphom (HGBL), das innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss einer Erstlinien-Chemoimmuntherapie rezidiviert oder gegenüber dieser refraktär ist, sowie für Erwachsene mit r/r DLBCL und primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) nach zwei oder mehr systemischen Therapien+.[4]  Die Langzeitdaten der Studien ZUMA-1 (≥ 3. Linie) und ZUMA-7 (2. Linie) stützen das kurative Potenzial der CAR-T-Zelltherapie mit Axi-Cel.[3–5]§ Die bedeutendsten und häufigsten Nebenwirkungen unter Axi-Cel in ZUMA-1 bzw. ZUMA-7 waren CRS (93 % bzw. 92 %), Enzephalopathie (60 % bzw. 49 %) und Infektionen (40 % bzw. 45 %). Schwerwiegende Nebenwirkungen traten bei 51 % bzw. 54 % der Patient*innen auf.[4] Insgesamt ist das Sicherheitsprofil von CAR-T-Zelltherapien mittlerweile gut bekannt und handhabbar.[6]

Fazit:  Um das kurative Potenzial einer Therapie mit Axi-Cel zu nutzen, sollten alle für eine CAR-T-Zelltherapie in Frage kommenden Patient*innen frühzeitig an einem qualifizierten CAR-T-Zentrum vorgestellt werden, [3,5]. Dazu zählen auch:

  • vulnerable Patient*innen mit einer primär refraktären Erkrankung oder frühem Rezidiv innerhalb von 12 Monaten [1] oder
  • CAR-T-Zell-naive Patient*innen nach zwei Vortherapien [1]

# chimärer Antigen-Rezeptor

* damaliger Standard of Care (SOC): definiert als 2–3 Zyklen einer Standard-Chemoimmuntherapie (R-ICE, R-DHAP oder R-DHAX, R-ESHAP oder R-GDP) gefolgt von einer HD-ASZT bei Ansprechen der Erkrankung

+ Darüber hinaus wird Axi-Cel angewendet zur Behandlung von Erwachsenen mit r/r follikulärem Lymphom (FL) nach ≥ 3 systemischen Therapien.

§ ZUMA-1 (r/r DLBCL, PMBCL und DLBCL, entstanden aus einem FL nach ≥ 2 systemischen Therapien: 5-Jahres-OS-Rate 42,6 % (95 %-KI: 32,8–51,9); geschätzte EFS-Rate 30,3 % (95 %-KI 21,5–39,6); geschätzte PFS-Rate 31,8 % (95 %-KI 22,9–41,1).[4,5] ZUMA-7 (Axi-Cel vs. SOC; DLBCL und HGBL, das innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss einer Erstlinien-Chemoimmuntherapie rezidiviert oder gegenüber dieser refraktär war): geschätzte 4-Jahres-OS-Rate: 54,6 % vs. 46,0 % (Hazard Ratio [HR]: 0,73; 95 %-KI 0,54–0,98; p = 0,03); geschätztes 4-Jahres EFS-Rate 38,9 % vs. 17,3 % (HR: 0,42; 95 %-KI 0,33–0,55); geschätztes 4-Jahres-PFS 41,8 % vs. 24,4 % (HR 0,51; 95 % KI 0,38–0,67).[3,4]

  1. Lenz G et al. Onkopedia-Leitlinie „Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom“ (Stand: Januar 2024). Im Internet: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/diffuses-grosszelliges-b-zell-lymphom/@@guideline/html/index.html; Stand: 24.03.2025
  2. Houot R et al. Nat Med 2023; 29(10): 2593–601
  3. Westin JR et al. N Engl J Med 2023; 389(2): 148–57
  4. Fachinformation Yescarta®; Stand Juli 2024
  5. Neelapu SS et al. Blood 2023; 141(19): 2307–2315
  6. Onkopedia Leitlinie. CAR-T Zellen: Management von Nebenwirkungen (Stand: Juni 2020). Im Internet: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/car-t-zellen-management-von-nebenwirkungen/@@guideline/html/index.html; Stand: 24.03.2025