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Patient*innen mit Akuter Myeloischer Leukämie (AML) weisen auch bei Komplettremission (CR) nach einer intensiven Induktionschemotherapie ein hohes Rezidivrisiko auf (bei älteren Patient*innen ca. 50 % innerhalb eines Jahres) [1]. Patient*innen, die eine CR erreichen, benötigen eine Konsolidierungstherapie, die sich meist auf höherdosiertes Cytarabin oder eine allogene Stammzelltransplantation (alloSZT) beschränkt [2]. Die alloSZT ist derzeit der einzige kurative Therapieansatz bei der AML, für den aber nicht alle Patient*innen infrage kommen [2]. Vor allem für Patient*innen, die nicht transplantiert werden können oder wollen, besteht ein hoher Bedarf an verträglichen Erhaltungsstrategien, um die Remission zu erhalten und das Gesamtüberleben zu verlängern [3]. Mit oralem Azacitidin (Onureg®) steht seit Juni 2021 erstmals eine orale Erhaltungstherapie unabhängig vom AML-Subtyp zur Verfügung [4]. 

Signifikant längeres Gesamtüberleben mit Erhaltungstherapie

Die Zulassung von oralem Azacitidin basiert auf der multizentrischen, randomisierten Phase-III-Studie QUAZAR® AML-001 [5]. In dieser wurden die Wirksamkeit und Sicherheit von oralem Azacitidin im Vergleich zu Placebo als Erhaltungstherapie bei AML-Patient*innen in CR/CRi ab einem Alter von 55 Jahren geprüft, die für eine alloSZT nicht infrage kamen. Die Erhaltungstherapie mit oralem Azacitidin führte dabei zu einem signifikant längeren Überleben von 24,7 Monaten versus 14,8 Monaten in der Placebo-Gruppe (p<0,001) [5]. Dies wurde nach einem längeren Follow-up von median 55,5 Monaten bestätigt [6].

Aktuelle Real-World Daten 

Eine amerikanische, retrospektive Analyse von elektronischen Krankenakten verglich zwei Therapiekonzepte: Intensive Chemotherapie (IC) gefolgt von einer Erhaltungstherapie und Venetoclax+Azacitidin (VEN+AZA) [7]. Nach Propensity Score Matching wurde das Überleben von AML-Patient*innen verglichen, die entweder nach IC eine Remission erreicht und anschließend orales Azacitidin als Erhaltungstherapie bekommen hatten (n=33) oder nach Erstlinienbehandlung mit VEN-AZA (n=33) in Remission waren. Unter oralem Azacitidin nach IC das mediane rezidivfreie Überleben (RFS) und das Gesamtüberleben (OS) signifikant länger als unter VEN-AZA (RFS: 20,0 vs. 8,7 Monate; OS: nicht erreicht vs. 15,2 Monate; beide p = 0,002). Das Risiko für ein Rezidiv bzw. den Tod war nach IC + oralem Azacitidin um 66 % bzw. 71 % verringert [7].

Kurz & kompakt: Prof. Dr. Bullinger im Interview zu den neuen Real-World-Daten

 

Leitlinienempfehlung für nicht-transplantierbare Patient*innen 

Der hohe Stellenwert einer Erhaltungstherapie mit oralem Azacitidin spiegelt sich auch in den aktuellen deutschen AML-Leitlinien wider: Darin wird orales Azacitidin (CC-486) als Erhaltungstherapie für erwachsene Patient*innen, die nicht für eine alloSZT infrage kommen, mit Ausnahme der CD33-positiven Core-Binding-Factor-AML empfohlen [2]. 

Erhalt der Lebensqualität

In der QUAZAR® AML-001 Studie lag die gesundheitsbezogene Lebensqualität der mit oralem Azacitidin behandelten Patient*innen während der gesamten Studiendauer auf Placebo-Niveau und es bestanden keine klinisch relevanten Unterschiede zwischen den Studienarmen [5]. Die häufigsten nicht-hämatologischen unerwünschten Ereignisse (UE) in der QUAZAR® AML-001 Studie waren in beiden Studienarmen gastrointestinale Beschwerden vom Schweregrad 1 oder 2 [4, 5]. Die Häufigkeiten dieser Ereignisse aller Grade im oralen Azacitidin- und Placeboarm waren: Übelkeit (65 % vs. 24 %), Erbrechen (60 % vs. 10 %) und Diarrhoe (50 % vs. 21 %). Diese Ereignisse traten insbesondere in den ersten beiden Therapiezyklen auf und lediglich 5 % der Patient*innen brachen die Therapie mit oralem Azacitidin aufgrund von gastrointestinalen Nebenwirkungen ab [8]. Das häufigste hämatologische UE aller Grade war Neutropenie (orales Azacitidin vs. Placebo: 44 % vs. 26 %), gefolgt von Thrombozytopenie (33 % vs. 27 %) und Anämie (20 % vs. 18 %) [5].

Mehr erfahren: Wichtige Informationen rund um orales Azacitidin

  1. Burnett AK et al. Leukemia 2017; 31: 310-317.
  2. Onkopedia Leitlinie AML, Stand: August 2023
  3. Molica M et al. Am J Hematol 2019;94;1254-1265
  4. Fachinformation ONUREG®, aktueller Stand.
  5. Wei AH et al. N Engl J Med 2020; 383:2526–2537
  6. Wei AH et al. Am J Hematol. 2023; 98: E84-E87. 
  7. Mims A et al. Blood 2023;142(Suppl.1): 550; Abstract & Vortrag.
  8. Ravandi F et al. J Hematol Oncol 2021; 14:133

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