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HPV-Impfquoten ausbauen – Strategien und Praxistipps

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Höhere HPV-Impfquoten könnten das Auftreten bestimmter HPV-bedingter Folgeerkrankungen deutlich reduzieren. [1] Trotz STIKO-Empfehlung, Jungen und Mädchen standardmäßig gegen HPV zu impfen, [2] herrscht Nachholbedarf in Deutschland [1]. Tipps, wie Sie die Impfbereitschaft steigern können, bekommen Sie hier.
Basiswissen: Das kleine 1x1 der HPV-Infektion
Mindestens einmal im Leben infizieren sich die meisten sexuell aktiven Menschen mit Humanen Papillomviren (HPV). Oft kommt es schon kurz nach Aufnahme der sexuellen Aktivität zu einer HPV-Infektion. Eine zeitgleiche Infektion mit mehreren HPV-Typen ist möglich. [3] HPV werden aufgrund ihres onkogenen Potenzials in Hochrisiko- und Niedrigrisiko-Typen unterteilt:
- Infektionen mit Hochrisiko-HPV-Typen (v. a. HPV 16 und 18) können gewisse maligne Tumore hervorrufen. [3]
- Infektionen mit Niedrigrisiko-HPV-Typen (v. a. HPV 6 und 11) können zur Entstehung von Genitalwarzen führen. [3]
Humane Papillomviren können über Mikroverletzungen in der Haut bzw. Schleimhaut in den Körper eindringen und die Epithelzellen der Basalschicht infizieren. Mögliche Übertragungswege von HPV sind: [3]
- Geschlechtsverkehr bei Infektionen im Anogenitalbereich
- Orogenitale Sexualpraktiken bei Transmission in die Mundhöhle oder den Oropharynx
- Sehr enger Körperkontakt – auch bei Kondomnutzung während des Geschlechtsverkehrs
- Schmierinfektion (in seltenen Fällen)
- Übertragung von der Mutter auf das Neugeborene während der Geburt
Kondome bieten keinen sicheren Schutz vor einer HPV-Infektion
Die Verwendung von Kondomen kann eine mögliche HPV-Infektion nicht sicher verhindern, da bestimmte HPV-Typen nicht nur auf den Schleimhäuten, sondern auch auf der Haut im Genital- und Analbereich vorkommen können. [3]
Krankheitslast aufgrund von HPV-bedingten Krebserkrankungen senken
Die wichtigste Prophylaxe gegen HPV-Infektionen ist nach wie vor die Schutzimpfung. HPV-Impfstoffe können einer Infektion mit den in den Impfstoffen enthaltenen HPV-Typen vorbeugen. [3] Um die Krankheitslast aufgrund von HPV-bedingten Krebserkrankungen zu reduzieren, empfiehlt die STIKO für alle Jungen und Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren die Impfung gegen HPV als Standardimpfung. Nachholimpfungen empfiehlt die STIKO bis zum Alter von 17 Jahren. [2]
In Deutschland sind etwa 4 % der Krebsneuerkrankungen auf chronische Infektionen zurückzuführen. [4] An HPV-bedingten Karzinomen erkranken dem RKI zufolge jedes Jahr ca. 6.250 Frauen und ca. 1.600 Männer. [3]
Nachholbedarf in Deutschland bei den Impfquoten
Die Daten der KV-Impfsurveillance zeigen, dass trotz voller Erstattung und STIKO-Empfehlung im Jahr 2020 in Deutschland lediglich 54,1 % der 18-jährigen Mädchen und 8,1 % der 18-jährigen Jungen vollständig gegen HPV geimpft waren. [1] Die Wissenschaft setzt sich daher zunehmend mit der Fragestellung auseinander, wie das Arztgespräch die Impfentscheidung der Patienten beeinflusst. [5]
Es gibt regionale Unterschiede bei Impfquoten und Impfzeitpunkten. Aktuelle Impfquoten in Deutschland auf einen Blick erhalten Sie hier.
Ihre Empfehlung und Aufklärung hat Einfluss auf die Impfentscheidung
Die Impfbereitschaft der Eltern hängt von verschiedenen Faktoren ab, auf die Sie als Arzt oder Ärztin großen Einfluss haben. Ob Eltern ihre Kinder impfen lassen oder nicht, ist u. a. von folgenden Faktoren abhängig: [5]
- vom Wissen der Eltern über die Impfung,
- von der Empfehlung des behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin
- sowie von der Stärke dieser Empfehlung.
Impfskeptische Eltern von einer Impfung zu überzeugen, kann herausfordernd sein. Aus Überlegungen zur Erhöhung der HPV-Impfquote in Deutschland geht hervor, dass die Aufklärung dabei besonders im Fokus stehen sollte. [6] So zeigte eine bevölkerungsbezogene Erhebung, dass nur 24,5 % der Erwachsenen in Deutschland von HPV gehört haben und nur 45 % von ihnen bekannt war, dass es Impfstoffe zur Vorbeugung einer HPV-Infektion gibt. [6, 7] In einer Studie von Beavis et al. waren die meistgenannten Gründe der Befragten mangelndes Vertrauen in das eigene Wissen über die Impfung, in den Nutzen und in die Nebenwirkungen sowie der damit einhergehende Wunsch nach mehr Informationen. [8]
Neben einer ausführlichen Aufklärung – inklusive Nutzen und Risiken der Impfung – ist es für das Gespräch mit Eltern auch wichtig, sich klar für eine Impfung auszusprechen. Als effektive Kommunikationsstrategie erwiesen sich Botschaften, die sich auf persönliche Entscheidungen des Arztes oder der Ärztin, etwa im Hinblick auf die Impfung eigener Kinder, sowie persönliche Erfahrungen zur Sicherheit der HPV-Impfung stützten. [5]
Wussten Sie schon!
Ihre Impfempfehlung ist ein wichtiger Faktor für die Impfentscheidung. Nutzen Sie beim nächsten Gespräch mit Ihren Patient*innen die Chance, die HPV-Impfung als Standardimpfung für Mädchen und Jungen von 9–14 Jahren und als Nachholimpfung bis zu einem Alter von 17 Jahren gegen bestimmte HPV-bedingte Krebserkrankungen zu kommunizieren.
Sechs Praxistipps zur Integration der HPV-Impfungen in den Praxisalltag
Die COVID-19-Pandemie hat Impfungen als wichtige Präventionsmaßnahmen in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Um die möglicherweise pandemiebedingt versäumten HPV-Impfungen zeitnah nachzuholen, empfiehlt sich eine Überprüfung des Impfstatus bei jedem Patientenkontakt. [9] Die Barrieren für die Teilnahme an einer Impfung sollten möglichst niedrig sein. Dabei könnte helfen: [10]
- Impftermine auch unabhängig von anderen Terminen anbieten
- Praxismitarbeitende und Ärztinnen bzw. Ärzte sollten gleichermaßen falsche Kontraindikationen kennen und entsprechend adressieren können
- Das Gespräch mit den Eltern wichtig nehmen und sowohl über Sinn als auch Mythen der Impfung aufklären
- Jugendliche direkt ansprechen und das Bewusstsein für einen vollständigen Impfschutz steigern
- Darauf hinweisen, dass höhere Antikörperantworten bei jüngeren Impflingen nahelegen, dass in jüngeren Jahren ein besseres Ansprechen auf die Impfung erreicht werden kann [10]
- Die HPV-Impfung in der Wahrnehmung als Kinder-Standardimpfung etablieren, wie z. B. die Impfung gegen Masern oder Hepatitis B. [5]
Wussten Sie schon!
Die Aufnahme in den Standardimpfkalender für Säuglinge erleichterte es, die Impfung als Standardimpfung gegen Hepatitis B wahrzunehmen und nicht primär als Impfung gegen eine Erkrankung, die auch auf sexuellem Weg übertragen werden kann. [5]
Noch mehr zur HPV-Impfung
Eine Übersicht zur praktischen Umsetzung der HPV-Impfempfehlung sowie Tipps zur Koordinierung von Impfterminen und Kontrolluntersuchungen für Ihr Praxispersonal finden Sie hier. Mehr über Ihren Einfluss auf die HPV-Impfentscheidung von Eltern und darüber, wie Sie das Thema Sexualität als Impfhürde überwinden können, erfahren Siehier.
- Rieck T et al. Impfquoten von Kinderschutzimpfungen in Deutschland – aktuelle Ergebnisseaus der RKI-Impfsurveillance, Epid Bull 2022; 48: 3–25
- Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2022. Epid Bull 2022; 4: 3–66
- Robert Koch-Institut (RKI). RKI-Ratgeber Humane Papillomviren. Epid Bull 2018; 27: 256–258
- Robert Koch-Institut (RKI) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V. (Hrsg.). Krebs in Deutschland 2017/2018. Berlin, 2021. ISBN: 978-3-89606-309-0. DOI: 10.25646/8353
- Attia AC et al. On surmounting the barriers to HPV vaccination: We can do better. Ann Med 2018; 50(3): 209–25. DOI: 10.1080/07853890.2018.1426875
- Wähner C et al. Uptake of HPV vaccination among boys after the introduction of gender-neutral HPV vaccination in Germany before and during the COVID-19 pandemic. Infection 2023: 1–12
- Sharma SJ et al. Awareness of Human Papillomavirus (HPV) and HPV Vaccination amongst the General Population in Germany: Lack of Awareness and Need for Action. Oncol Res Treat 2022; 45(10): 561–7
- Beavis AL et al. Exploring HPV vaccine hesitant parents’ perspectives on decision-making and motivators for vaccination. Vaccine X 2022; 12: 100231
- Robert Koch-Institut (RKI): Erfassung der SARS-CoV-2-Testzahlen in Deutschland (Update vom 29.4.2020). Epid Bull 2020; 18: 28
- Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DAKJ). Stellungnahme Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der DAKJ. Mai 2021. Im Internet: https://www.dakj.de/stellungnahmen/zeitgerechtes-impfen-bei-kindern-und-jugendlichen/; Stand: 28.07.2023

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