Georg Thieme Verlag KG
Georg Thieme Verlag KG

Suchergebnisse zur Ihrer letzten Suchanfrage

Herzpatienten scheinen bei einer Infektion durch das neue Coronavirus in besonderem Maße bedroht zu sein. Das American College of Cardiology (ACC) hat aus diesem Anlass ein aktuelles Bulletin herausgegeben.

Das neuartige Coronavirus (Erkrankung: COVID-19; Erreger: SARS-CoV-2) hat sich, ausgehend von der chinesischen Provinz Wuhan, inzwischen auch in Europa ausgebreitet. SARS-CoV-2 gehört – ebenso wie das SARS- und das MERS-Virus – zu der Gruppe der ß-Coronaviren. [1,2] Die Übertragung ist von Mensch zu Mensch möglich und erfolgt vermutlich hauptsächlich über eine Tröpfcheninfektion. [2] SARS-CoV-2 wurde jedoch ebenfalls in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist laut Informationen des Robert Koch-Instituts noch nicht abschließend geklärt. [2]

Intensive Betreuung von Herzpatienten nötig

Bei bis zu 50 % der mit SARS-CoV-2 infizierten und hospitalisierten Patienten lagen chronische Begleiterkrankungen vor. 40 % hatten kardiovaskuläre oder zerebrovaskuläre Erkrankungen. [1] Ein Fallbericht mit 138 Patienten beschreibt folgende Komplikationen: [3]

  • Schock (zwölf Personen; 8,7 %)
  • akutes respiratorisches Distress-Syndrom (27 Personen; 19,6 %)
  • Arrhythmien (23 Personen; 16,7 %)
  • akute Herzschädigungen (zehn Personen; 7,2 %)

Unveröffentlichten Berichten zufolge sind mehrere COVID-19-Patienten auch an einer Myokarditis erkrankt. [1] Diese Verbindung wurde früher auch bei SARS- und MERS-Infektionen beobachtet. [1] Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass ein höheres Alter und vorliegende Komorbiditäten – wie kardiovaskuläre Erkrankungen – Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf sind. [2,3]

Empfehlungen des ACC

Das American College of Cardiology (ACC) hebt neun Punkte für ein erfolgreiches SARS-CoV-2-Management bei Herzpatienten hervor: [1]

  1. Die wichtigste Maßnahme ist die Eindämmung der Verbreitung der über Tröpfcheninfektion übertragenen Virusinfektion. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat zu diesem Thema neue Leitlinien veröffentlicht. [4]

    ECDC-Leitlinien zum Umgang mit dem neuen Coronavirus
     
  2. In Gebieten, in denen SARS-CoV-2 verbreitet ist, sollten kardiovaskulär erkrankte Patienten über das potenziell erhöhte Risiko aufgeklärt und darin bestärkt werden, zusätzliche angemessene Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.
  3. Ältere Patienten entwickeln bei einer SARS-CoV-2-Infektion seltener Fieber als jüngere Patienten. Ärzte sollten daher schon bei Symptomen wie Husten oder Kurzatmigkeit aufmerksam werden.
  4. Experten raten bei Herzpatienten zum konsequenten und leitliniengerechten Einsatz von plaquestabilisierenden Substanzen (Statine, Betablocker, ACE-Hemmer, ASS) – wobei immer individuell im Einzelfall entschieden werden sollte.
  5. Pneumokokken- und Influenzaimpfungen werden zur Prävention empfohlen, um Verwechslungen und Superinfektionen zu vermeiden.
  6. Potenziell an COVID-19 erkrankte Patienten mit einer kardiovaskulären Grunderkrankung sollten im Rahmen eines Triage-Systems priorisiert behandelt werden.
  7. Cave: Klassische Herzinfarktsymptome könnten möglicherweise übersehen werden, wenn das Hauptaugenmerk auf COVID-19 liegt.
  8. In Regionen ohne starke COVID-19-Verbreitung sollte der Fokus auf der möglichen Bedrohung durch Influenzaviren und der Bedeutung von präventiven Strategien liegen (häufiges Händewaschen, Impfungen, Therapieadhärenz bei chronisch Kranken).
  9. Das Coronavirus verbreitet sich rasch und über das klinische Profil ist bisher noch wenig bekannt. Ärzte sollten sich kontinuierlich über neue Erkenntnisse informieren – zum Beispiel auf der Webseite des Robert Koch-Instituts unter www.rki.de/covid-19.
  1. American College of Cardiology. ACC clinical bulletin: cardiac implications of novel Wuhan coronavirus (2019-nCoV) (Feburar 2020). Online verfügbar unter: https://www.acc.org//~/media/Non-Clinical/Files-PDFs-Excel-MS-Word-etc/2020/02/S20028-ACC-Clinical-Bulletin-Coronavirus.pdf (abgerufen am 24.02.2020).
  2. Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2. Robert Koch-Institut. (Februar 2020). Online verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html (abgerufen am 24.02.2020).
  3. Wang D, Hu B, Hu C et al. Clinical Characteristics of 138 Hospitalized Patients With 2019 Novel Coronavirus–Infected Pneumonia in Wuhan, China. JAMA 2020: https://doi.org/10.1001/jama.2020.1585
  4. European Centres for Disease Control and Prevention (ECDC). Guidelines for the use of non-pharmaceutical measures to delay and mitigate the impact of 2019-nCoV. Technical Report. (Februar 2020). Online verfügbar unter: https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/novel-coronavirus-guidelines-non-pharmaceutical-measures_0.pdf (abgerufen am 25.02.2020).