Georg Thieme Verlag KG
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Zahnärzte und zahnmedizinisches Praxispersonal können einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die HIV-Epidemie leisten. Hinter manchen oralen Krankheitsbildern, die zuweilen bei einer zahnärztlichen Routineuntersuchung auffallen, verbirgt sich nämlich eine noch unbekannte Infektion mit dem Virus. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über Warnsignale und das weitere Vorgehen, wenn der Verdacht auf HIV besteht.

HIV-Infektionen frühzeitig erkennen

Moderne antiretrovirale Therapien können die HI-Viruslast sehr niedrig halten und ermöglichen den Betroffenen eine gute Prognose. Dadurch ist die Prävalenz der HIV-assoziierten oralen Krankheitsbilder deutlich gesunken [1]. Bei unbehandelten, immungeschwächten Patienten treten Haut- und Schleimhautveränderungen jedoch häufig auf und geben einen wichtigen Hinweis auf eine vorliegende HIV-Infektion. Orale Indikatorerkrankungen sind:

  •     Mykosen (z. B. Candidiasis)
  •     Virusinfektionen
  •     idiopathische Erkrankungen
  •     rezidivierende Aphten
  •     bakterielle Infektionen
  •     Speicheldrüsenerkrankungen
  •     Neoplasien (z. B. orales Kaposi-Sarkom)

Mit dem geschulten Blick auf diese Entitäten können Zahnärzte und das Praxispersonal Risikopatienten identifizieren und diese zur Abklärung der Diagnose an eine HIV-Schwerpunktpraxis überweisen. Wenn sich der Verdacht bestätigt, bleibt den Betroffenen somit ein langer Leidensweg erspart. Grundsätzlich gilt: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser [1]. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, das offene Gespräch mit dem Patienten zu suchen und einen HIV-Test zu empfehlen [2].

HIV-Patienten benötigen keine „Sonderbehandlung“

HIV ist durch direkten Kontakt mit bestimmten Körperflüssigkeiten (z. B. Blut) übertragbar. Aerosole und Speichel sind dagegen nicht infektiös. Bei antiretroviral behandelten Patienten (und somit der Mehrzahl der HIV-positiven Patienten) ist die Viruslast im Blut so niedrig, dass auf diesem Weg eine Übertragung nahezu ausgeschlossen ist [1, 2]. Da jeder Patient potenziell infektiös sein kann und standardisierte Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen bei der zahnärztlichen Behandlung ohnehin konsequent umgesetzt werden sollten, sind zusätzliche Schutzmaßnahmen mit Blick auf HIV nicht notwendig.

Ein empathischer, vorurteilsfreier und verantwortungsvoller Umgang mit HIV-positiven Patienten sollte im Praxisalltag selbstverständlich sein. Dazu gehört im Sinne des Datenschutzes auch die Möglichkeit, den Anamnesebogen ungestört ausfüllen zu können und der Verzicht auf spezielle Vermerke und Warnhinweise in der Krankenakte. Mögliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten (z. B. zwischen Sedativa und einer antiviralen Therapie) sollten beachtet werden [2].

Sofortmaßnahmen minimieren Infektionsrisiko im Fall der Fälle

In der Zahnmedizin ist das Risiko einer Übertragung im direkten Kontakt mit HIV-infizierten Patienten verglichen mit anderen medizinischen Fachdisziplinen gering. Es besteht grundsätzlich bei Stich- oder Schnittverletzungen mit kontaminierten Instrumenten und immer dann, wenn offene Wunden oder Schleimhäute mit virenbelasteten Flüssigkeiten in Kontakt kommen. Die Deutsche AIDS-Hilfe und die Bundeszahnärztekammer empfehlen in diesen Fällen Sofortmaßnahmen wie das Spülen von Wunden, Mundhöhle oder Augen [2, 3]. Zudem sollte ein/e Betriebs- oder Durchgangsarzt/-ärztin umgehend über das weitere Vorgehen und ggf. eine Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) mit antiretroviralen Mitteln entscheiden. Nach Beginn der PEP ist die Vorstellung an einer auf HIV spezialisierten Einrichtung sinnvoll.