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Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern
Pneumokokken können zu schwerwiegenden invasiven Infektionen (IPD; Meningitis, Bakteriämie) sowie zu akuten Infekten der oberen (Sinusitis, Otitis media [AOM]) und unteren Atemwege (Pneumonie) führen. [1] Das Risiko für eine schwer verlaufende Pneumokokken-Erkrankung ist u. a. altersabhängig. Zu den besonders gefährdeten Gruppen gehören beispielsweise Kinder in den ersten beiden Lebensjahren. [2]
Angespannte Antibiotika-Versorgungssituation vor allem bei Kindern
Die beobachtete Infektionswelle im Winter 2022/2023 ging mit signifikant höheren Erkrankungszahlen einher als vergleichbare vorherige Zeiträume. In der ambulanten Versorgung war die Versorgungssituation mit den Wirkstoffen Penicillin V, Amoxicillin und Amoxicillin/Clavulansäure angespannt, vor allem bei Kindern, wie Berichte der Fachgesellschaften nahelegten. Doch auch in der diesjährigen Infektionssaison ist die voraussichtliche Bedarfsdeckung bei den Wirkstoffen Amoxicillin und Penicillin V nicht ausreichend. Um Versorgungslücken zu vermeiden, ist es daher wichtig, Antibiotika maßvoll und leitliniengetreu einzusetzen. [3]
Empfehlung: schwere Krankheitsverläufe bestmöglich unterbinden
Um schwere Krankheitsverläufe bestmöglich vermeiden zu können, wird im Kontext des Antibiotikaengpasses nachdrücklich eine entsprechende Impfung, im Speziellen die Pneumokokken-Impfung bei Kleinkindern empfohlen. [3] Auch in Zusammenhang mit den gestiegenen Infektionszahlen weist das Robert Koch-Institut (RKI) darauf hin, dass u. a. die Vervollständigung der Impfungen gegen Pneumokokken und Influenza entsprechend den aktuellen STIKO-Empfehlungen das Infektionsrisiko verringern kann. [4]
Das vorrangige Ziel der Impfung aller Kinder gegen Pneumokokken ist es, die Morbidität von IPD und die daraus entstehenden Folgen wie Hospitalisierung, Behinderung und Tod zu vermindern. Zur Vorbeugung von Pneumokokken-Erkrankungen empfiehlt die STIKO u. a. die generelle Säuglingsimpfung gegen Pneumokokken ab dem Alter von zwei Monaten mit einem Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV). [5]
Impfserien, die mit einem niedriger valenten Pneumokokken-Impfstoff (PCV10 oder PCV13) begonnen wurden, können mit PCV15 vervollständigt werden. Es sind keine zusätzlichen Impfstoffdosen erforderlich, die über das 2+1-Impfschema bei reifgeborenen Säuglingen bzw. das 3+1-Schema bei Frühgeborenen (Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche) hinausgehen. [6]
PCV und Rückgang der AOM-Inzidenz
Mit Blick auf AOM wurde nach der Einführung von PCV13 ein Rückgang der Inzidenz bei Kindern im Alter < 16 Jahren zwischen 2014 und 2019 beobachtet: von 101,36 (95 %-KI 100,58 – 102,15; n = 64.045 Episoden) pro 1.000 Kinderjahre im Jahr 2014 auf 79,1 (95 %-KI 78,4 – 79,8; n = 47.346 Episoden) im Jahr 2019 (p = 0,003). [7]*
Immunogenität verbessern – Durchbruchserkrankungen reduzieren
PCV haben maßgeblich dazu beigetragen, die Krankheitslast von IPD bei Kindern und Erwachsenen zu verringern. Trotzdem bereitet u. a. das Auftreten von Durchbruchserkrankungen nach wie vor Sorgen. [8]
Lesenswert
Weshalb es daher wichtig ist, dass neue Pneumokokken-Kinderimpfstoffe nicht nur neu auftretende Serotypen abdecken, sondern u. a. auch die Immunantwort gegen bestimmte Serotypen verbessern [9], erfahren Sie hier.
* Ergebnisse einer retrospektiven Kohortenstudie, in der die Daten von Kindern im Alter von < 16 Jahren analysiert wurden, die aus der Datenbank des Instituts für angewandte Gesundheitsforschung Berlin (InGef) stammten. Ziel der Studie war es, eine aktuelle Schätzung der Inzidenz von AOM jeglicher Ursache (insgesamt, einfach und wiederkehrend) sowie AOM-bezogener operativer Eingriffe und Komplikationen über die Zeit bei Kindern im Alter < 16 Jahren in Deutschland zu geben. [7]
- Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI. Epid Bull 2016;36:351-384.
- Robert Koch-Institut (RKI). Schutzimpfung gegen Pneumokokken: Häufig gestellte Fragen und Antworten. Stand: 23.04.2024. Online verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Pneumokokken/FAQ-Liste_Pneumokokken_Impfen.html [eingesehen am 12.07.2024].
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Informationen zur Verfügbarkeit von Antibiotikasäften und Empfehlungen zur Abmilderung möglicher Engpässe. Stand 04.06.2024. Online verfügbar unter: https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Arzneimittelinformationen/Lieferengpaesse/Antibiotika.html [eingesehen am 12.07.2024].
- Robert Koch-Institut (RKI). Update: Anstieg bakterieller Infektionen durch Gruppe-A-Streptokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae in Deutschland seit Ende 2022. Epid Bull 2023;8:1-44.
- Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2024. Epid Bull 2024;4:1-72.
- Robert Koch-Institut (RKI). STIKO: Stellungnahme zum Einsatz von Pneumokokken-Konjugatimpfstoffen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. Epid Bull 2023;20:3-5.
- Hu T et al. Incidence of acute otitis media in children < 16 years old in Germany during 2014-2019. BMC Pediatr. 2022;22(1):204. DOI: 10.1186/s12887-022-03270-w.
- Ryman J et al. Predicting vaccine effectiveness against invasive pneumococcal disease in children using immunogenicity data. NPJ Vaccines. 2022;7(1):140. DOI: 10.1038/s41541-022-00538-1.
- Goettler D et al. Increase in Streptococcus pneumoniae serotype 3 associated parapneumonic pleural effusion/empyema after the introduction of PCV13 in Germany. Vaccine. 2020;38(3):570-577. DOI: 10.1016/j.vaccine.2019.10.056.

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