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Muskelhypotonie und Entwicklungsverzögerungen beim Säugling oder Kleinkind –
könnte es ein AADC-Mangel sein?
Bei einem Kleinkind mit Muskelhypotonie zeigen sich zusätzliche Symptome wie Bewegungsstörungen, zum Beispiel okulogyre Krisen, Entwicklungsverzögerungen oder autonome Störungen? Dann wird oftmals in Richtung Cerebralparese oder Epilepsie als Ursache gedacht. Aber möglicherweise leidet der kleine Patient an der seltenen Erkrankung Aromatische-L-Aminosäure-Decarboxylase(AADC)-Mangel. Diese Erbkrankheit ist mit Störungen der Neurotransmittersynthese assoziiert und führt zu lebensverkürzenden motorischen und autonomen Funktionsstörungen, Entwicklungsverzögerungen und vorzeitigem Tod. [1-3] Umso wichtiger ist eine frühzeitige Diagnose, da sie helfen kann, die Behandlung und Versorgung von Patienten mit AADC-Mangel zu verbessern. [1-3]
Der AADC-Mangel – Ursache und Symptome
Ein AADC-Mangel wird durch verschiedene autosomal-rezessive Mutationen im Dopa-Decarboxylase (DDC)-Gen verursacht. [4] Das Gen codiert für das Enzym AADC, das eine Schlüsselrolle in der Neurotransmittersynthese spielt. In der Folge kommt es zu einem kombinierten Mangel an Dopamin, Serotonin, Adrenalin und Noradrenalin. [3] Das Fehlen dieser Neurotransmitter hemmt die postsynaptische neuronale Signalübertragung im Zentralnervensystem, die für die motorische Entwicklung, das Verhalten, die Emotionen und die autonome Funktion erforderlich ist. [5]
Die Erkrankung verläuft bei den betroffenen Kindern sehr unterschiedlich. Zumeist treten die ersten Anzeichen bereits im frühen Säuglingsalter auf, im Mittel etwa mit 2,7 Monaten. [3]
Die klinischen Zeichen eines AADC-Mangels sind oft unspezifisch, hierzu zählen: [3]
- Muskelhypotonie
- Bewegungsstörungen, insbesondere okulogyre Krisen (unwillkürliches Augenverdrehen), Dystonie und Hypo- und/oder Bradykinesie
- Motorische und sprachliche Entwicklungsverzögerungen
- Autonome Störungen wie nasale Kongestion, Hyperhidrose, Hypersalivation und Ptosis
Die Symptome verbessern sich in der Regel nicht, was zu einer lebenslangen Pflegebedürftigkeit führt. [1,2]
- Das Körpergewicht kann in den ersten Lebensmonaten normal sein, Wachstum und Gewichtszunahme können sich aber nach dem ersten Jahr verlangsamen. [6]
- Bei Patienten, die das Erwachsenenalter erreichen, treten langfristig kardiale Komplikationen und orthopädische Probleme auf, das Infektionsrisiko ist erhöht. [3]
Zeichen & Symptome
Wichtige Unterscheidungsmerkmale, häufige Zeichen und Symptome sowie Informationen zu diagnostischen Tests bekommen Sie hier.
Diagnostik bei Verdacht auf AADC-Mangel
Vor allem wenn bei Säuglingen oder Kleinkindern Muskelhypotonie besteht, die auffälligen okulogyren Krisen auftreten oder die Kinder die Meilensteine der Entwicklung nicht erreichen, sollte der Pädiater hellhörig werden und eine weiterführende Untersuchung auf AADC-Mangel in Betracht ziehen.
Symptome bei AADC-Mangel richtig deuten – eine Herausforderung
Bei einer Reihe von Erkrankungen treten Symptome auf, die denen eines AADC-Mangels ähneln. [3,7-10]
- Ein Beispiel dafür sind die bei AADC-Mangel häufig auftretenden okulogyren Krisen, die den Krampfanfällen mancher Epilepsieformen ähneln. Bei AADC-Mangel ist jedoch das EEG in den meisten Fällen unauffällig. [3]
- Auch die Cerebralparese zeigt mit einem AADC-Mangel überlappende Symptome – z. B. Muskelhypotonie und Dystonie. Daher sollte grundsätzlich bei atypischem Bild einer vermeintlichen Cerebralparese auch an einen AADC-Mangel gedacht werden: vor allem bei fluktuierendem Verlauf, anfänglich scheinbar normaler Entwicklung des Kindes, unauffälligem MRT und EEG, progressiver oder durch Bewegung hervorgerufener Dystonie und dem Auftreten okulogyrer Krisen. [10]
Generell ist daher eine gründliche Differentialdiagnostik unerlässlich.
ICD-10-Codes
Eine Tabelle mit ICD-10-Codes, hinter denen sich eventuell Fehldiagnosen – obwohl ein AADC-Mangel vorliegt – verbergen könnten, finden Sie hier.
Auf diese Symptome sollten Sie achten!
Wenn die folgenden Symptome auftreten, sollte eine Untersuchung auf AADC-Mangel erfolgen: [3,11]
- Muskelhypotonie mit gleichzeitig verzögerter motorischer Entwicklung sowie MRT, das nicht mit den klinischen Symptomen übereinstimmt
- Bewegungsstörungen (okulogyre Krise, Dystonie, Hypokinesie und/oder Bradykinesie)
- Oft liegen auch autonome Störungen vor, wie Ptosis, Temperaturinstabilität und nasale Kongestion

Diagnostische Möglichkeiten beim Verdacht auf einen AADC-Mangel
Bei Verdacht auf AADC-Mangel gibt – nach Magnetresonanztomografie (MRT) (bei AADC-Mangel unauffällig) sowie Blut- und Urintests zum Ausschluss anderer Erkrankungen – die Bestimmung von 3-O-Methyldopa (3-OMD) im Blut einen ersten Anhaltspunkt bei Patienten unter 18 Jahren. [3] Hierfür können Trockenblutkarten beispielsweise im Stoffwechsellabor der Universität Heidelberg angefordert werden.
Entscheidend für die Diagnose AADC-Mangel sind dann: [3]
- Bestimmung der AADC-Enzymaktivität im Blutplasma
- Bestimmung bestimmter Neurotransmittervorstufen und -metabolite im Liquor
- Nachweis von DDC-Gen-Mutationen mittels Genanalyse
Mindestens zwei dieser Tests sollten positiv ausfallen, um die Diagnose zu bestätigen.
Weitere Informationen für Patienten, Angehörige und Fachkreise über Anzeichen und Symptome, Tests und die Diagnose von AADC-Mangel finden Sie unter:
www.aadc-mangel.de
www.aadc-testen.de
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- Brun L et al. Neurology. 2010; 75(1): 64-71.
- Wassenberg T et al. Orphanet J Rare Dis. 2017; 12(1):12. doi: 10.1186/s13023-016-0522-z.
- Chien YH et al. Mol Genet Metab. 2016; 118(4): 259-263.
- Pons R et al. Neurology. 2004; 62(7): 1058-1065.
- Hwu WL et al. JIMD Rep. 2018; 40: 1-6. doi: 10.1007/8904_2017_54.
- Lee WT. Epilepsy & Seizure. 2010; 3(1): 147-153. https://doi.org/10.3805/eands.3.147
- Krigger KW. Am Fam Physician. 2006; 73(1): 91-100.
- Ng J et al. Nat Rev Neurol. 2015; 11(10): 567-584.
- Kurian MA, Dale RC. Continuum (Minneap Minn). 2016; 22(4 Movement Disorders): 1159-1185.
- Garcia-Cazorla A et al. Mitochondrion. 2008, 8: 279-278.
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